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Hospiz statt aktiver Sterbehilfe




In der Sterbebegleitung tätige Menschen wissen aus Erfahrung, dass es durch optimale medizinische und pflegerische Maßnahmen häufig gelingt, die große Angst vieler Schwerkranker vor möglichen qualvollen Symptomen und Schmerzen zu lindern. Befragungen der Bevölkerung hingegen sind irreführend und einseitig, wenn sie nicht die großen Anliegen der Hospizbewegung in Verbindung mit der Palliativmedizin berücksichtigen. Dies zeigt auch die von Univ.-Prof. DDr. Paul Zulehner durchgeführte Studie "Religion im Leben der Österreicher" auf: Wenn die Befragten über Hospizangebote und die Möglichkeiten der Behandlung bei schwerem Leid informiert sind, reduziert sich der Wunsch nach Legalisierung der direkten aktiven Sterbehilfe (Euthanasie) beachtlich.

Dabei wird keineswegs die Tatsache verleugnet, dass es einen Wunsch nach Lebensbeendigung gibt, auf den auch Hospiz keine Antwort geben kann, wo auch die Schmerztherapie und das Da-Sein diesen Wunsch nicht wegnehmen können. Doch auch dieser Wunsch entbindet uns nicht davon, durch liebevolle Zuwendung, Zeit und optimale Betreuung dem sterbenden und schwer leidenden Menschen immer wieder und aufs Neue Gelegenheiten zu geben, sein Leben auch in Krankheit und Leid als lebenswert zu empfinden.

Die Gesellschaft braucht klare und unmissverständliche Zeichen, damit Schmerzbekämpfung und -linderung, Zeit, Zuwendung und Respekt vor der letzten Lebensphase einen höheren Stellenwert erhalten.
Schwerkranke und ihre Angehörigen müssen gestärkt, es muss ihnen Mut gemacht werden, den letzten Weg, der niemandem von uns erspart bleiben wird, in Würde zu gehen.

Aktive direkte Sterbehilfe ist keine Hilfe, sondern vielmehr Kapitulation vor der Herausforderung des Sterbens und des Todes und wird entschieden abgelehnt.
Dafür gibt es sehr wesentliche Gründe:
Das Selbstbestimmungsrecht des einzelnen Menschen muss seine Grenze dort finden, wo zentrale gesellschaftliche Werte wie der Schutz des menschlichen Lebens in Mitleidenschaft gezogen werden.
Das sogenannte selbstbestimmte Beenden des Lebens ist ethisch nicht zu rechtfertigen und muss aus Gründen des Lebensschutzes verboten bleiben.
Autonomie bedeutet sittliche Selbstbestimmung und nicht beliebige Wunscherfüllung. Das heißt mit der Ausübung von Autonomie ist immer auch Verantwortung verbunden, auch des Sterbenden bis zuletzt. Das Prinzip der Autonomie losgelöst von anderen Aspekten wie der Verantwortung oder Fürsorge einzufordern, kippt oft ins Gegenteil, wie auch die historische Erfahrung nur allzu deutlich zeigt.
Hinter dem Wunsch nach Beendigung des Lebens stecken oft sehr große Schmerzen, Ängste und psychische, soziale und spirituelle Belastungen.

Fast immer markieren depressive Durchgangsphasen den Sterbeprozess.
Eine umfassende Symptomkontrolle und Schmerzlinderung sowie menschliche Begleitung und Zuwendung lassen meistens die Euthanasiewünsche in den Hintergrund treten und in vielen Fällen sogar verstummen.
Jeder Mensch hat eine einmalige Würde. Der Respekt vor der Würde des Sterbenden verlangt, dieses Sterben weder technisch zu beschleunigen noch unverantwortlich hinauszuzögern sondern zum gegebenen Zeitpunkt zuzulassen, das heißt dem Sterben Raum und Zeit zu geben.
Bei der Freigabe der aktiven Sterbehilfe geraten PatientInnen unweigerlich unter einen sozialen und individuellen Druck, ihre Tötung zu verlangen, um nicht die Angehörigen oder die Gesellschaft zu "belasten". Und jedes Bemühen, zum Beispiel einem gelähmten oder lebensbedrohlich erkrankten Menschen über Wochen oder Monate Chancen zu eröffnen, den Sinn seines Lebens in der Auseinandersetzung mit der Krankheit neu zu deuten, wäre untergraben.
Die Freigabe der aktiven Sterbehilfe würde vor allem auch Menschen mit einer Behinderung massiv bedrohen, weil dadurch ganz automatisch ihr Leben, ihr Lebenswille und -mut hinterfragt würden.
Auch die Angehörigen und Betreuenden oder Assistenzpersonen von Behinderten wären den öffentlich geführten Debatten über "lebenswert" und "lebensunwert" völlig ausgesetzt.
Darüber hinaus würde auf behinderte und hochbetagte Menschen ein - mitunter auch subtiler - Druck ausgeübt, nicht länger der Allgemeinheit "zur Last" zu fallen. Alle Bemühungen zur umfassenden Integration von behinderten Menschen würden ausgehöhlt, untergraben, ja letztlich verhindert und Menschenrechte massiv verletzt.

Jetzt schon werden alle technischen Verfahren zur pränatalen Feststellung potenzieller Behinderungen ausgeschöpft, um die Geburt eines behinderten Kindes zu unterbinden. Eltern, insbesondere die Mütter sehen sich oft einem enormen Druck ausgesetzt, und das medizinische Personal ist angesichts der ethischen Tragweite der hier notwendigen Entscheidungen überfordert. Mit einer Freigabe der aktiven direkten Sterbehilfe werden diese Konflikte nicht nur verschärft, es muss auch ein "ungehemmterer" Umgang mit behinderten Säuglingen befürchtet werden.

Der ökonomische Druck im Gesundheitssystem und eine Aufweichung der klaren Position gegen die aktive direkte Sterbehilfe kann leicht zu einem "Nützlichkeitsdenken" führen, bei dem Sterbehilfe auch unter dem Argument der Kostensenkung befürwortet und im Sinne eines "sozialverträglichen Frühablebens" gefordert wird.
Der Sterbewunsch unterliegt immer auch der Irrtumsmöglichkeit und die Gefahr des Missbrauchs kann nie ausgeschaltet werden. Es mehren sich die Fälle, bei denen PatientInnen auch ohne ausdrücklichen Sterbewunsch getötet werden. Das bestätigen unzählige Berichte beispielsweise aus den Niederlanden, wo aktive direkte Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen neuerdings erlaubt ist. Die frühere gesetzliche Regelung sah zunächst allein den Ausschluss der strafrechtlichen Verfolgung vor.

Wie einschlägige Erfahrungen zeigen, führt die angebliche Selbstbestimmung über den Tod aus zweierlei Gründen in die Fremdbestimmung. Aufgrund seiner Einbettung in das soziale Gefüge betrifft die Entscheidung eines Menschen immer auch seine Angehörigen und die Gesellschaft, sie wird von diesen beeinflusst und kann daher nicht autonom gefällt werden.
Hier stößt die Selbstbestimmung des/der PatientIn an eine ethische Grenze. Auch wenn die Tötungswillensäußerung noch so präzise formuliert ist, kommt de facto zu ihr immer eine Fremdbestimmung über den Wert eines Lebens hinzu.

Wenn die Gesellschaft ihren Ärzten zubilligt oder ihnen zumutet zu töten, so bedeutet das eine Umkehrung im Ethos der Ärzte. Der Arzt kommt schnell in eine fragwürdige und übermächtige Doppelrolle als Erhalter und Beender des Lebens, als "Herr über Leben und Tod". Auch bleibt seine Beziehung zum/r PatientIn davon nicht unberührt.

Das Leben ist ein Geschenk Gottes und steht als solches nicht in der Verfügungsmacht des Menschen. Immer dann, wenn der Mensch versucht hat, sich als Gott zu gebärden oder allmächtig zu sein, endete das in Krieg, Gewalt, Unterdrückung, Missachtung der Menschenrechte und in vielen Fällen auch in einer Tragödie für die gesamte Menschheit.


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   © 2007 by Josef Lengauer