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Leitlinien für die Hospizarbeit




Die Begleitung und Betreuung sterbender, schwerstkranker und trauernder Menschen ist eine christliche und menschliche Aufgabe. Das Evangelium ist eine unerschöpfliche Quelle, um in diesen Lebenssituationen wieder Vertrauen zu gewinnen, Hoffnung zu haben und neuen Mut zu schöpfen. Die Zusage Gottes an den Menschen, dass dem Tod die Auferstehung folgt, erlaubt es eine zuversichtliche und positive Haltung in die Hospizarbeit einzubringen. Für viele MitarbeiterInnen kirchlicher und karitativer Organisationen ist die Nachfolge Jesu die zentrale Motivation, um sich für die Hospizidee zu engagieren.

Das mag mit ein Grund dafür sein, dass die in der Hospizbewegung geltenden leitenden Grundsätze auch seitens der Caritas sehr stark mit entwickelt und geprägt wurden. Sie sind nicht nur Orientierungspunkte, sondern stellen auch eine Herausforderung für die tägliche Praxis dar.


Leben in Würde bis zuletzt

Leben ist wertvoll bis zuletzt. Es muss daher für den sterbenden Menschen alles getan werden, um die Qualität seines Lebens und die Würde seines Menschseins zu wahren.
Wesentlich dafür sind Respekt und Achtung in der Begegnung. Sie prägen das Verhältnis aller Beteiligten zueinander.
Als Richtlinie für alle Handlungen gilt, dass das Sterben nicht verlängert, aber das Leben nicht verkürzt werden soll. Die Dramatik und Tragik des Todes dürfen nicht weg"harmonisiert" werden. Es ist auch nicht zielführend, das unfassbare Leid "glätten" zu wollen. Der Tod als Teil der Schöpfung gehört zum Leben dazu. Eine Lebensverlängerung um jeden Preis mit dem Einsatz aller Mittel ist dann nicht mehr sinnvoll, wenn dadurch Leiden verlängert wird, ohne dass die Lebensqualität des kranken, pflegebedürftigen oder sterbenden Menschen verbessert wird.

Wo immer aber für den Sterbenden etwas zur Linderung, zum Wohlbefinden und zur Hebung der Lebensqualität beigetragen werden kann, haben wir die Aufgabe, ihm das zu ermöglichen. Herkunft, Vermögen und Religion spielen dabei keine Rolle.

Das Sterben ist eine "natürliche" Phase im Lebenszyklus eines jeden Menschen und muss wieder stärker in unseren Alltag, in unser soziales Leben herein genommen werden.
Hier hat die Kirche mit ihren Ritualen und Angeboten (z. B. Beerdigung, Sakrament der Krankensalbung, Totenmesse, Gebete) eine wichtige Funktion.


Selbstbestimmung des/der Patienten/in

Der Wille und die Wünsche des pflegebedürftigen, des kranken, des sterbenden Menschen müssen in der Betreuung und Pflege im Mittelpunkt stehen. Aushandlungsprozesse sind partnerschaftlich zu führen und die Anliegen der Betroffenen ernst zu nehmen. Darauf haben auch die Organisationsstrukturen Rücksicht zu nehmen.

Wenn ein Mensch seine Wünsche betreffend die Unterlassung bestimmter medizinischer Maßnahmen im Rahmen einer Patientenverfügung niederlegt, klar zum Ausdruck bringt oder mündlich äußert, muss diesen Wünschen höchste Bedeutung beigemessen werden. Auch der Verzicht auf lebensverlängernde Eingriffe, die in den Sterbensverlauf eingreifen, ist zu respektieren, unterscheidet er sich doch radikal sowohl im Sinngehalt wie auch nach dem inneren Empfinden von der Tötung eines Menschen.


Haltung der Wertschätzung

Die letzte Lebenszeit hat für den betroffenen Menschen, seine Angehörigen, aber auch die gesamte Gesellschaft eine weitreichende Bedeutung. Eine Haltung der Wertschätzung wird vor allem durch eine qualitativ hochwertige Betreuung und Pflege zum Ausdruck gebracht.

Dazu gehören neben der Umsetzung der neuesten Erkenntnisse in der Medizin und Pflege vor allem das Zeit-Geben, das Hinhören und damit verbunden das aufmerksame Da-Sein von Begleitenden und Angehörigen.
Die Ausstattung der Einrichtungen zur Betreuung von Sterbenden und schwer Kranken, wie (mobile, semistationäre oder stationäre) Hospize, Pflege- oder Altenheime muss diese Begleitung, das vertrauliche Gespräch und die unmittelbare Begegnung von Mensch zu Mensch, auch möglich machen und unterstützen (Beispiele: Einzelzimmer, Möglichkeiten der Übernachtung für Angehörige, Zeit, Raum zur Verabschiedung von Verstorbenen usw.)


Palliation - Lindernde Medizin, Pflege und Betreuung

Dort wo die kurative, d. h. die auf Heilung und Wiederherstellung ausgerichtete Medizin ohne Wirkung bleibt, muss verstärkt die palliative Betreuung einsetzen.
Ihr Ziel ist es, die quälenden Symptome zu lindern und allfällige Komplikationen zu verhindern, um eine bestmögliche Lebensqualität zu gewährleisten.

Dabei gibt es keine wirklich scharfe Trennung zwischen kurativem und palliativem Ansatz. Die Übergänge sind vielmehr fließend, und häufig müssen palliative und kurative Therapie parallel durchgeführt werden.
Diese Betrachtungsweise wird besonders deutlich bei der Betreuung von hochbetagten Menschen. Im Alter stellen sich oft eine Reihe von sehr unangenehmen, chronischen Beschwerden ein, die nicht mehr ursächlich geheilt werden können.

Die Integration aller Erkenntnisse der modernen Palliativmedizin in die Geriatrie trägt dazu bei, die Lebensqualität vieler alter Menschen entscheidend zu verbessern.

Wo immer die Caritas Einrichtungen der Pflege und Sterbebegleitung führt, wird die Betreuung nach palliativen Gesichtspunkten angestrebt. Das heißt: Es wird größtes Augenmerk auf die Bekämpfung von körperlichen, psychi-schen, sozialen, emotionalen und spirituellen Schmerzen gelegt.
Schmerzen quälen. Schmerztherapie und Symptomkontrolle sind ein Menschenrecht.

Medizinische Diagnosen und Maßnahmen werden so schonend wie möglich durchgeführt.
Die Pflege zielt darauf ab, dass der Sterbeprozess ein erträgliches Maß annimmt.
Pflegepersonal, ÄrztInnen und andere Berufsgruppen (SeelsorgerInnen, Ehrenamtliche, SozialarbeiterInnen, PsychologInnen ...) arbeiten interdisziplinär zusammen.
Die Angehörigen und das soziale Umfeld werden in besonderer Weise einbezogen und erhalten ebenso Betreuung und Unterstützung.


Interdisziplinarität im Arbeitsansatz

Aus den Erfahrungen der Pflege in den Einrichtungen hat sich eine wesentliche Erkenntnis bestätigt:
Um den PatientInnen und Angehörigen in ihrer Ganzheitlichkeit gerecht zu werden, bedarf es der guten, koordinierten und sich ergänzenden Zusammenarbeit der betreuenden Professionen.
Im Idealfall arbeiten daher MedizinerInnen, KrankenpflegerInnen, SeelsorgerInnen und SozialarbeiterInnen bzw. andere psychosoziale Dienste in einem gleichberechtigten Team zusammen.
Wo dies nicht möglich ist, wird die Kooperation über Institutionsgrenzen gesucht und gepflegt.

Interdisziplinäres Arbeiten wird als Grundprinzip gesehen und gelebt und ist mehr als ein bloßes Nebeneinander verschiedener Professionen. Nur alle Professionen gemeinsam können den "ganzen" Menschen in seinen körperlichen, psychischen, sozialen und spirituellen Dimensionen erfassen.
Interdisziplinarität braucht fördernde Strukturen und besondere zu erarbeitende organisatorische Standards. Alle Teammitglieder müssen partnerschaftlich zusammenarbeiten und Respekt vor der Sichtweise der je anderen Profession erweisen. Nur wenn man alle diese Zugänge wie in einem Vierfarbendruck aufeinanderlegt, wird der Mensch in seiner Buntheit sichtbar, können entsprechend umfassende Betreuungsmaßnahmen verwirklicht werden.


Unterstützung und Begleitung von Angehörigen

80 % aller Hilfe- und Pflegebedürftigen werden in Österreich von den Angehörigen im engeren Sinn (Familien), informellen Netzwerken aber auch Nachbarn und Freunden betreut und gepflegt.
Dies gilt besonders für die Betreuung und Pflege chronisch kranker Menschen.
Aufgabe der Hospizdienste ist es, gewachsene und bestehende informelle Strukturen zu entlasten, zu ergänzen und zu unterstützen.
Die vielen informellen HelferInnen sind für die Betroffenen, die Gesellschaft und das bestehende System des Sozial- und Gesundheitswesens absolut unverzichtbar.
Angehörige, die einen schwerstkranken oder sterbenden Menschen umsorgen und versorgen, benötigen vor allem gezielte Informationen und Beratung, Entlastungsgespräche, alltagspraktische sowie psychosoziale und spirituelle Unterstützung und Begleitung.
Eine schwere Erkrankung oder der Prozess des Sterbens eines Menschen betrifft immer auch das Familiensystem. Die Angehörigen sind ebenfalls Betroffene. Oftmals benötigen sie mehr Begleitung und Unterstützung als der Kranke selbst. Die Krisen, in die Familienmitglieder dadurch geraten können, führen mitunter zu einer Abschottung nach außen.
Hilfsangebote können als zusätzlicher Stress und Bedrohung der Autonomie erlebt werden. Dies erfordert von professionellen und ehrenamtlichen Kräften, die Unterstützung anbieten wollen, vor allem Behutsamkeit, Respekt und Achtung vor Entscheidungen und Regeln in den Familiensystemen.
Von Anfang an sollte versucht werden, die Angehörigen in den Prozess der offenen Kommunikation mit einzubeziehen.
Zudem sind sie ExpertInnen für die Biografie, die Alltagsvorlieben, die Wünsche, Ängste und Gewohnheiten der kranken Menschen. Gerade wenn Schwerstkranke oder Sterbende nicht mehr sprachlich kommunizieren können, sind die Funktionen von Angehörigen als OrganisatorInnen von Hilfe und AnwältInnen ihrer erkrankten Angehörigen unverzichtbar.
Für die Begleitung der Angehörigen gelten dieselben Prinzipien, die bereits für den sterbenden Menschen beschrieben wurden: Hilfe und Unterstützung können immer nur Angebote an den Mitmenschen sein. Sie müssen getragen sein von der Wahrung der Autonomie der Betroffenen und vom Respekt der oftmals sehr begrenzten Ressourcen in den einzelnen Familien.
Die Hilfsangebote haben sich an den Bedürfnissen der Angehörigen zu orientieren.


Ehrenamtliche MitarbeiterInnen

Der Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein zentraler Bestandteil der Hospizarbeit. Die Caritas ist offen für BürgerInnen, die sich im Sinne der christlichen Nächstenliebe oder aus humanitärem Interesse für andere Menschen engagieren und einsetzen wollen, schätzt deren Beitrag in einem hohen Maße und ist außerordentlich dankbar für diese "Zeit- und Tatspende".
Ehrenamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen werden deshalb auch Angebote zur Aus- und Weiterbildung gemacht, wodurch eine zusätzliche Professionalisierung ihres Engagements passiert.

Viele Erfahrungen zeigen, dass dieses Engagement zu einer anerkannten und vielseitigen Bereicherung des Lebens und Erweiterung der Lebenseinstellung führt. Nicht zuletzt können die hierbei erworbenen Qualifikationen auch für den beruflichen Alltag, selbst wenn dieser nicht unmittelbar in einem sozialen Bereich angesiedelt ist, genutzt werden.
Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Organisationen aufgrund der ökonomischen Engpässe auch dazu neigen, Ehrenamtliche in einer derart umfangreichen Art und Weise einzubinden, dass es zu einer Überforderung kommt bzw. kommen muss. Das muss jedenfalls vermieden werden.

Ein gesellschaftlich nicht zu unterschätzender positiver Nebeneffekt der Einbindung von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führt dazu, dass die Erfahrung des Todes als Teil des Lebens und damit auch Lebenskompetenz wieder in die Gesellschaft und in die Familien zurückfließen kann.


Trauer und Trauerbegleitung

Trauerbegleitung ist ein integraler Bestandteil der Hospizarbeit und Palliativmedizin.
Angehörige benötigen differenzierte Unterstützungsangebote, wenn sie sich darauf vorbereiten, dass ein Familienmitglied sterben wird.
Erst recht gilt dies nach dem Tod des betreuten Menschen.
So wichtig und nützlich es ist, bei Trauerprozessen Hilfe anzubieten, so sehr muss aber auch darauf geachtet werden, dass den Trauernden Zeit für ihren eigenen Prozess gelassen wird.

Untersuchungen in Holland und England haben ergeben, dass bei zu frühzeitiger Intervention von außen fremdbestimmte Elemente in den eigenen Trauerweg aufgenommen werden.
Dabei wurde der ganz und gar nicht erstrebenswerte Effekt festgestellt, dass sich das soziale Umfeld zurückzog und die Trauerunterstützung zur Gänze den "Professionellen" überließ.


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   © 2007 by Josef Lengauer