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Infostand Palliative Pflege 1. Stock

Siehe auch Teilprojekt „Palliative Pflege 1. Stock“




Fotocollagen

(erstellt von AFB Maria Zauner
AFB Christine Höpoltseder
AFB Sabine Kerzendorfer)





Demonstration von Lebensqualität bis zuletzt
an Hand von Bewohnergeschichten

(zusammengestellt von AFB Elisabeth Hirner)





Dieses Buch ist entstanden im Rahmen des Projektes
im September 2002


Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigenen und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war,
blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,
dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
dass in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?“
Da antwortete er:
„Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen.“

(Margaret Fishback Powers)


Liebe Besucher, Praktikanten, alle lieben Menschen,
die uns auf unserem Weg begegnen,
liebe Gäste:

Bei uns braucht niemand seinen Weg allein zu gehen,
in diesem Sinne bitte ich sie,
uns als Team und unseren BewohnerInnen
ein paar liebe , begleitende und wärmende Worte
auf unseren Weg mitzugeben.

Herzlichst, Ingrid Lorbek!



MUNDPFLEGE

Allgemeines

Der Mund ist
  • ein zentrales Sinnesorgan
  • gehört zu den Intimzonen des Menschen
Wie kann ich die Pflege durchführen, dass sich der Bewohner auch wohlfühlt dabei? Alle 15 Minuten wäre Mundpflege nötig, Tag und Nacht. Dies wäre optimal.

A b e r will dies der Bewohner überhaupt?

D. h. also, auch trotz g u t e r Mundpflege können Beläge auftreten. (Dies muss auch vom Pflegepersonal akzeptiert werden.)
Das Ziel der Mundpflege ist, dass der Bewohner f r e i w i l l i g den Mund öffnet und dass er mit der Reinigung ein angenehmes Gefühl verbindet.
Dies erfordert viel Kreativität des Pflegepersonals, z. B. Riechen lassen des Mundwassers, welches er immer hatte, Bier, welches er trank, ...
Wenn der Bewohner gar nicht öffnen will, auf gar keinen Fall mit Gewalt öffnen (z. B. mit Klemme oder Mundspatel den Mund aufzwängen!) – Vertrauensbruch – dieser Bewohner würde den Mund nie mehr freiwillig öffnen.
Sondern Beginnen mit basaler Stimulation – Streicheln oder kreisende Bewegungen vom Hinterkopf bis zum Kinn.
Wir benötigen eine Haltung, die nicht ausschließlich die Indikation der pflegerischen Maßnahmen beinhaltet, sondern die auch gleichwertig Bedürfnisse, Wünsche und Ängste eines Bewohners miteinbeziehen.
Z.B. bei der Mundpflege mit Kamillentee:
Der Bewohner mochte schon seit seiner Kindheit keinen Kamillentee, schon allein der Geruch verursacht bei ihm Kindheitserinnerungen, er presst den Mund zusammen. Nicht, weil er keine Mundpflege will, sondern wegen des Tees. Deshalb ist die Anamnese bzw. eine Biografie sehr wichtig! Wenn der Bewohner nicht mehr sprechen kann, die Angehörigen fragten.


Übelkeit und Erbrechen
  • ich finde dich zum Kotzen
  • nein danke, mir ist schon übel
  • das ist ja übel
  • eine üble Vorstellung
  • da dreht sich mir der Magen um
  • da geht mir die Galle hoch
Wird häufig auch als Übelkeitunderbrechen bezeichnet, da es in engem Zusammenhang steht, es handelt sich jedoch um 2 Symptome mit unterschiedlicher Bedeutung.
Es gibt Menschen denen ist dauernd übel, sie können jedoch nicht erbrechen. Dadurch geht es ihnen auch psychisch nicht gut. Man denke nur daran, wie es einem selbst ergeht, wenn einem übel ist. Diese Übelkeit kann im Finalstadium oder auch als Begleitsymptom einer Chemotherapie,.. auftreten.
Zum Erbrechen: Ich bin auf der Palliativstation Menschen begegnet, die nach jeder Essensaufnahme erbrechen mussten, ja sogar nach einem Schluck Wasser. Ihnen war jedoch nicht übel und sofort nach dem Erbrechen fühlten sie sich wieder gut und konnten die dazwischenliegenden Stunden gut verbringen. Das heißt, diese Patienten hatten durchaus mehr Lebensqualität, als jene, denen andauernd übel war. Trotzdem wird immer noch mehr Augenmerk auf das Erbrechen gelegt, da dies sofortiges Handeln erfordert und sich schlimmer darstellt, als wenn jemandem „nur“ übel ist.

Maßnahmen bei Übelkeit
  • Wenn möglich, auslösende Ursache beseitigen
  • Geruch beseitigen, d. h. eher kalte Speisen bestellen und servieren
  • Ätherische Öle verwenden z. B. Pfefferminze oder japan. Heilpflanzenöl, antiemetisch wirken auch Lavendel oder Walddüfte
  • Frischluft
  • Anstrengung vermeiden
  • Zielgerichtete medikamentöse Behandlung (Paspertin 30 gtt, 3 –4 mal tägl., Haldol 3 – 5 gtt, 2 – 3 mal tägl., Paspertin setzt am Darm an, Haldol wirkt im Gehirn – deshalb Kombination von beiden. Zofran Lutschtbl. 2 mal tägl. 8 mg – ist eine gute Ergänzung zu Haldol, Zofran von Anfang an primär 10 Tage, dann ausschleichen)
  • Nahrungsdruck vermeiden. Auch Druck von Angehörigen. „Du musst doch etwas essen, du wirst ja immer dünner“.
  • Pflege: Zureden „Und wenn es nur ein Esslöffel ist, den sie mit Appetit essen, ist das in Ordnung.“ Angehörige sind ein anderes Thema, sie kämpfen mit dem Verlust um den Lieben, sie müssen zusehen, wie er stirbt und das ist sehr schwer für sie.
  • Wichtig: ordentliche Mundpflege (siehe vorne)

Atemnot

Ganz wichtig ist die Kontrolle dieser Bewohner!
Einige Hilfestellungen im Umgang mit Bewohnern mit Atemnot:

Eigene Hilfestellung:
  • Das Allerwichtigste ist, selber nicht in Panik zu geraten und den Bewohner nicht allein zu lassen in seiner Not, um schnell irgendetwas zu holen oder jemanden zu informieren. Immer bei ihm bleiben und „Sturm“ läuten.
  • Nicht mit dem Atem des Bewohners mitatmen, sondern sich auf die eigenen Füße konzentrieren.
  • Hände auf den Bauch des Bewohners legen.
  • Bewusst den eigenen Atemrhythmus beibehalten.
  • Sicherheit durch fachliche med.-pflegerische Kompetenz ausstrahlen..
Hilfe für den Bewohner :
  • Adäquate med. Hilfe (evt. Arzt verständigen, auf alle Fälle, wenn sie plötzlich aufgetreten ist)
  • Ruhige sichere Atmosphäre schaffen
  • „frische Luft“, Fenster öffnen, Ventilator, äther. Öle, ...
  • genügend Raum lassen
  • Körperkontakt nur, wenn der Bewohner es wünscht!
  • Fußmassage, sog. Sandwichgriff, dadurch wird die Aufmerksamkeit auf die Füße gelenkt
  • Lagerung: 90 °C Lagerung und Kissen unter die Knie, dadurch kommt es zu einer Entlastung des Bauchraumes
  • Den Bewohner „weg von der Atemnot führen“, den Blick aus dem Fenster richten
  • Mit dem Bewohner in der Phantasie einen Spatziergang durch den Wald machen, die Waldluft riechen lassen, einen „Kraftplatz“ suchen lassen und dort eine Pause machen und Energie tanken, dies kann man auch schon vorher üben mit ihm, wenn Atemnot öfter auftritt. Der Bewohner wird sich daran erinnern und er beruhigt sich viel schneller wieder.
  • Stressfaktoren und Ängste ansprechen
  • Atemstimulierende Einreibung: In meinem Atemrhythmus mit Druck beim Ausatmen, beim Einatmen verringern.
  • Sich neben den Bewohner stellen und die Hand auf seine Schulter legen. Durch Druck mit der Hand seinen Atemrhythmus aufnehmen, dann langsamer werden. Der Bewohner beginnt dann automatisch auch langsamer zu atmen.


Allgemeines Verhalten im Umgang mit Schwerkranken, Sterbenden, Tumorpatienten
  • Im Gespräch immer mit „wie“ fragen. „Wie fühlen Sie sich?“, „Was kann ich für Sie tun, dass Ihre Situation leichter erträglich wird?“
  • Bei Fragen, „Muss ich sterben?“ oder ähnlichem, immer zurückfragen: „Was glauben Sie?“, „Wie denken Sie darüber?“
  • Der Bewohner hat in seinem ganzen Leben eigene Problemlösungsstrukturen entwickelt, wie e r seine Lebenskrisen bewältigt hat. Danach fragen: „Wie haben Sie ihre Probleme früher bewältigt, was haben Sie gemacht?“ Auf gar keinen Fall dem Bewohner seine eigenen Problembewältigungsstrukturen „aufdrängen“, sonst nimmt man ihm die Verantwortung für sein eigenes Leben ab!
  • „Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte?“
  • Zirkuläres Fragen: „Was glauben Sie, was Ihr Mann denkt?“
  • Wertschätzung vermitteln, weil sich die Menschen tief entwertet und oft sogar schuldig fühlen, v. a. bei Tumorerkrankungen: „Was habe ich verbrochen, dass ich so krank bin?“. Diese Frage kreist oft in ihrem Kopf.
  • Den Bewohner auffordern zum Klagen, sonst wird es zu einem dauernden Jammern.
  • Auf gar keinen Fall sagen: „das wird schon wieder“, „es ist ja nicht so schlimm“, „denken Sie an etwas Anderes“ oder „lenken Sie sich ab“, ...!


Infostand zu Schmerzbehandlung

(gestaltet von DGKS Heidi Lechner)

Gefühlszustände, die den Schmerz verstärken oder verringern

Verstärkung der Schmerzen:
  • Angst
  • Traurigkeit
  • Depression
  • Introversion
  • Isolation
  • Soziale Abhängigkeit
  • Sorgen
  • Schlaflosigkeit
  • Einsamkeit
  • Zorn
  • Ungewissheit
Verringerung der Schmerzen:
  • Sorglosigkeit
  • Schlaf
  • Verständnis
  • Soziales Netz, Familie, Freunde
  • Zuwendung
  • Zeit
  • Beschäftigung
  • Hoffnung
  • Entspannung
  • Positive Sinnfindung
  • Sicherheit
  • Information


Ziel der Schmerztherapie

Einen Zustand herstellen, indem der Patient schmerzfrei ist und zugleich wach und kommunikationsfähig ist.
Kann sich ein an Schmerzen Leidender nicht mehr mitteilen, sind wir darauf angewiesen auf indirekte Schmerzzeichen zu achten:
  • angespannter Gesichtsausdruck
  • verkrampfte Haltung
  • Schonhaltung
  • Veränderung des Atemrhythmus
  • Appetitlosigkeit
  • beschleunigter Puls
  • Unruhe, Schreien, Anklammern
  • ständiges Läuten
  • Ratlosigkeit, Verwirrtheit
  • Schlaflosigkeit
  • Verschlechterung des Allgemeinzustandes
DER SCHMERZ IST DAS, WAS DIE PERSON DARÜBER SAGT – UND EXISTIERT JEDESMAL, WENN SIE ES SAGT!

(Mc Caffery)

LASS MICH IN DEINEN SCHUHEN GEHEN, UM ZU SPÜREN, WO SIE DICH DRÜCKEN. OBWOHL ICH EINE ANDERE GRÖSSE HABE UND NIEMALS GLEICH FÜHLE WIE DU. ICH WILL ES TROTZDEM VERSUCHEN, WENN DU ES MIR ZUTRAUST.

(Maria Rutherford)


WHO – STUFENSCHEMA (WHO 1986)

Stufe I: geringe bis mittelstarke Schmerzen
Stufe II: mittelstarke bis starke Schmerzen
Stufe III: starke bis stärkste Schmerzen


WHO-Stufe I: NICHT-OPIOID-ANALGETIKA = NOA

Paracetamol (Mexalen): schwache analgetische Wirkung, Vorteil:
gute Verträglichkeit
Metamizol (Novalgin): bes. bei viszeralen Schmerzen (Eingeweideschmerz)
Vorteil: keine gastrointestinalen Nebenwirkungen
Diclofenac (Voltaren): bei Knochen- und Weichteilschmerzen gastrointestinale NW
Ibuprofen (Ibuhexal): bei Knochen- und Weichteilschmerzen relativ geringe NW
Rofecoxib (Vioxx): bei Knochen- und Weichteilschmerzen geringe gastrointestinale NW

Analgetisch sinnvolle Kombination von NOA:
  • NOA + Stufe-II-Opioid
  • NOA + Coanalgetikum (Kortikoide, Antidepressiva, Antikonvulsiva)
  • Metamizol + Rofecoxib od. Diclofenac (Wirkungsverstärkung bei somatischen und viszeralen Schmerzen)
Beachte:
  • Initiale Dosierungen von NOA sollten in der Nähe der Maximaldosis sein
  • Keine Wirkungsverbesserung bei Überschreiten der Tageshöchstdosis
  • NOA können jederzeit abgesetzt werden (keine Gegenregulation des Körpers)

WHO-STUFE II: SCHWACHE OPIOIDE – mit und ohne NOA

Tramadol (Tramal): relativ häufige NW (von Tropfen und i. v. Injektionen) wie Schwitzen,Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit
Dehydrocodein : stärker analgetisch als Tramadol, Neigung zu Obstipation stärker als bei anderen schwachen Opioiden

Analgetisch sinnvolle Kombination von schwachen Opioiden:
  • Schwache Opioide + NOA
  • Schwache Opioide + Coanalgetika (z.B. bei neuropathischen Schmerzen)
Beachte:
  • Kombinationen mehrerer Stufe-II-Opioide sind sinnlos, eine Kombination mit einem starken Opioid evtl. sogar gefährlich
  • Mögliches NW-Spektrum entspricht dem der starken Opioide wie Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Schwindel; langfristig Obstipation, Mundtrockenheit
  • Keine Wirkungsverbesserung von schwachen Opioiden bei Überschreiten der Tageshöchstdosis, stattdessen Zunahme der NW
  • Zur Dauertherapie sollten ausschließlich Retardpräparate zum Einsatz kommen,da Verträglichkeit besser ist, die Wirkung länger andauert
  • Kostenfrage? Opoide für Stufe III niedrig dosiert ist billiger als schwache Opioide für Stufe II höherdosiert

WHO-STUFE-III: STARKE OPIOIDE – mit und ohne NOA

Morphin (Morphin Merck): ist das starke Opioid der 1. Wahl
Fentanyl (Durogesic): geringe Obstipationsneigung, hohe Patientenakzeptanz
Nachteil: schlecht steuerbar (sehr langsame Elimination)

Nebenwirkungen von Opioid-Analgetika – lassen sich vermeiden
  • Dauertherapie erfordert Analgesie- UND Nebenwirkungskontrolle
  • Übelkeit und Erbrechen; in der Regel Toleranzentwicklung in 1-3 Wochen
  • Obstipation, kaum Toleranzentwicklung, daher frühzeitig an Prophylaxe denken!
  • Blasenentleerungsstörungen; Therapie mit Cholinerika
  • Verwirrtheit/Halluzinationen; häufiger bei alten Menschen und schlechtem AZ
  • Therapie: Dosis reduzieren, Intervalle verlängern, Neuroleptika
  • Juckreiz: Therapie mit Antihistaminika bzw. Neuroleptika bzw. Kortikosteroide
  • Atemdepression: kommt unter einer sachgerechten Therapie nicht vor


Morphinmythos

Der Morphinmythos ist eine der wesentlichen Ursachen für die medikamentöse Unterversorgung der Tumorschmerzpatienten.
Je länger die Behandlungsdauer, desto
  • kleiner die Steigerungsraten
  • länger die Zeitspannen ohne notwendige Dosissteigerung
  • größer die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Dosisreduktion

 
   

   © 2007 by Josef Lengauer