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Projektergebnisse:
Möglichkeiten und Grenzen
der Umsetzung von Palliative Care
im Seniorenheim Schloß Hall

Das folgende Konzept bezieht sich ausschließlich auf das Seniorenheim Schloß Hall und ist genau an die Bedürfnisse und Anforderungen unseres Heimes angepasst.


Kriterien für Palliative Care im Seniorenheim Schloß Hall

  • Palliative Care beginnt in unserem Heim mit dem Eintritt des/der Bewohners/in (wünschenswert ist schon vorher die teilweise Kenntnis seiner bisherigen Lebenssituation). Palliative Care wird konzentriert und intensiviert in der Pflege, Begleitung und Betreuung von schwerkranken und sterbenden BewohnerInnen.

  • Palliative Care ist zuerst eine Frage der Haltung der Wertschätzung und der Wahrhaftigkeit gegenüber den BewohnerInnen:
    • Menschliche Kompetenz als Voraussetzung
    • Kenntnis der Grundprinzipien von Palliative Care aller MitarbeiterInnen
    • Einfühlsamer Umgang
    • „Gemeinsame Trauer“ mit den BewohnerInnen
    • Aufbau einer Vertrauensbasis mit den BewohnerInnen als Voraussetzung

  • Qualitativ hochwertige Betreuung und Pflege:
    • Pflegerisch, medizinisch, Wohnen, Essen, Wäsche, Reinigung, Feste und Feiern, ...
    • Basale Stimulation
    • Validierende Pflege
    • Aromapflege, Einsatz von Bachblüten
    • Palliative Mundpflege
    • Pflegerische Maßnahmen bei Übelkeit und Erbrechen
    • Umgang mit Atemnot
    • Kinästhetik
    • Wohlfühlbäder
    • Biografiearbeit als Voraussetzung

  • Förderung der Lebensqualität:
    Individuell und flexibel auf die Bedürfnisse der einzelnen BewohnerInnen abgestimmt. Jederzeit Flexibilität in der Pflege: Entscheidungen von heute können morgen geändert werden, wenn es notwendig ist Æ keine starren Pflegekonzepte und –schablonen.

  • Schmerzbehandlung und Symptomkontrolle in ganzheitlicher Weise: körperlich, seelisch, sozial, spirituell, lebensgeschichtlich „Lebensrucksack“), biografisch (frühere Problemlösungsstrategien)

  • Kontakt mit den Angehörigen und deren Einbeziehung und Begleitung vom Eintritt eines/r Bewohners/in bis über die Zeit nach seinem/ihren Austritt (bei Kurzzeitgästen) bzw. bis über die Zeit nach seinem/ihrem Sterben (in der Trauerphase)

  • Sterbekultur:
    • Sterben ist ein natürlicher Vorgang, gehört zum Leben
    • Bewahrung der Menschenwürde vor, während und nach dem Sterben
    • Individuelle Wünsche des/der Bewohners/in für die Zeit vor, während und nach dem Sterben erheben und auf kreative und flexible Weise ermöglichen.
    • Den individuellen Wünschen und Bedürfnissen des/der Sterbenden angepasste Sterbebegleitung mit bestmöglicher Einbeziehung der Angehörigen (rund um die Uhr), Betreuung der Angehörigen (Schlafmöglichkeit im Heim, Verköstigung)
    • Respekt- und würdevoller Umgang mit dem Leichnam des/der Verstorbenen
    • Abschiedsrituale
    • Trauerbegleitung für die Angehörigen

  • Interdisziplinäre, koordinierte, sich ergänzende Zusammenarbeit der pflegenden, begleitenden und betreuenden Professionen: MedizinerInnen, DiplomkrankenpflegerInnen, Altenfachbetreuer-Innen, SeelsorgerInnen, Physio- und ErgotherapeutInnen, PsychotherapeutIn, SozialarbeiterIn, ehrenamtliche Mitarbeiter-Innen, PraktikantInnen, Zivildiener

  • Psychohygiene:
    Bestmögliche Arbeitsbedingungen als Voraussetzung für bestmögliche Arbeit aller MitarbeiterInnen

  • Voraussetzungen:
    • Bestmögliche Zusammenarbeit mit der Heimleitung, Pflegedienstleitung, und den anderen Dienstbereichen des Heimes: Verwaltung, Hausmeister, Physiotherapie, Seelsorge, Küche, Wäscherei, Reinigung, Fußpflege, Friseur
    • Bestmögliche Kommunikationsstrukturen und bestmöglicher Informationsfluss im ganzen Heim
    • Ständige Weiterbildung der MitarbeiterInnen der verschiedenen Dienstbereiche


Umsetzung unseres Konzeptes:
Welche Möglichkeiten gibt es?
Wo sind uns welche Grenzen gesetzt?


ad 2.: Die Haltung der Wertschätzung und Wahrhaftigkeit ist insbesondere durch Schulung und Weiterbildung gefördert worden:


2.1: Menschliche Kompetenz als Voraussetzung :

Zu diesem Thema wurde durchgeführt:
Bildungsarbeit über Empathie und ihre Grenzen; Aufklärungsarbeit; Supervision; palliative Prioritäten in der Pflege und Betreuung; Reflexion: Wie gehe ich mit Bewohnern um?

Dieser Bereich kann immer wieder fortgesetzt werden.


2.2: Kenntnis der Grundprinzipien von Palliative Care aller MitarbeiterInnen:

Im Rahmen eines Vortrages wurde das gesamte Heimpersonal mit den Grundprinzipien von Palliative Care vertraut gemacht.


2.3: Einfühlsamer Umgang mit den Bewohnern :

BewohnerInnen haben Hunger nach Blickkontakt, Berührung, Sprechkontakt, Ausreden können und dürfen, Ernstgenommen werden, Angenommen werden, danach, dass jemand mit ihnen um ihre Verluste trauert bzw. in ihrer Trauer bei ihnen bleibt.
Immobile, bettlägrige BewohnerInnen können sich dies selber nicht mehr organisieren, sind total angewiesen und abhängig, dass jemand zu ihnen kommt, sich ihnen widmet, sich Zeit für sie nimmt.
Es bestehen oft keine Kontakte mehr zur Außenwelt außer durch das Pflegepersonal!
Manche Bewohner haben gar keine Angehörigen mehr oder Angehörige wohnen weit weg oder es gibt ungelöste Konflikte – sie kommen daher als „Klagemauer“ nicht in Frage. Mit „Fremden“ redet man oft leichter. Außerdem bestehen sehr oft Generationenkonflikte (einander nicht verstehen, keine Ahnung von früher, ...)

Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit sind in der Pflege und Betreuung von Schwerkranken und Sterbenden sehr wichtig. Es bedarf viel Mut auch einmal sagen zu können: „Ich weiß es selber nicht, ... mir fällt es schwer, ... auch ich habe Angst, ... aber ich bleibe bei Ihnen, ...“

In diesem Bereich sind uns Grenzen gesetzt, erstens aus Mangel an Zeit, weil dieser Bereich sehr vieler Gespräche bedarf; zweitens durch starke emotionale Überbelastung des Pflegepersonals („Ich kann nicht mehr!!!“)


2.4: „Gemeinsame Trauer“ mit den BewohnerInnen:

Dazu gehört auch das Aushalten der Extremsituationen, in denen sich v. a. schwerkranke und sterbende BewohnerInnen oft befinden, wie z. B. Tumorzerfall, starke Geruchsbildung, großes ganzheitliches Leiden (familiär, sozial, spirituell), nicht loslassen können oder wollen, Schmerzen bei der Lagerung kontra Gefahr von Dekubitus, ...

In diesem Bereich haben in der Projektphase sehr viele Gespräche im Team stattgefunden: über gemeinsames Sich Stützen und Stärken, über palliative Gesichtspunkte in der Pflege und deren genaue Dokumentation.

Diese Gespräche können fortgesetzt werden. Grenzen sind jedoch auch hier vorhanden durch die große emotionale Belastung des Pflegepersonals.


2.5: Aufbau einer Vertrauensbasis mit den BewohnerInnen als Voraussetzung :

Es wurde in diesem Bereich Bildungsarbeit über vertrauensbildendes Verhalten, vertrauensbildenden Umgang abgehalten und sehr viele Gespräche im Team geführt.

Diese Maßnahmen können fortgesetzt werden.


ad 3.: Qualitativ hochwertige Betreuung und Pflege:


3.1: Pflegerisch, medizinisch, Wohnen, Essen, Wäsche, Reinigung, Feste, Feiern, ... :

Die Voraussetzungen zur Erfüllung dieses Punktes sind in unserem Haus gegeben.


3.2: Basale Stimulation:

Es erfolgte eine 2-stündige Einschulung der MitarbeiterInnen der Pflegeteams 1. und 3. Stock in der praktischen Anwendung von basaler Stimulation und Unterstützung durch Aromaöle.
5 MitarbeiterInnen dieser Teams haben schon vor Projektbeginn dazu ein 3-tägiges Basisseminar besucht.
Basale Stimulation wird angewendet bei dementen und desorientierten BewohnerInnen zur Verbesserung der Orientierungsfähigkeit, zur Wiedererlangung des Körpergefühls, zur Schmerzlinderung und Entspannung. Sie wird ferner angewendet, wenn keine andere Kommunikation mit schwerkranken BewohnerInnen mehr möglich ist, oder einfach zum Verwöhnen, z. B: nach einem wohltuenden Bad.


3.3: Validierende Pflege:

2 Mitarbeiterinnen machen gerade den Lehrgang „Spezielle validierende Pflege“. Unser Seelsorger hat den Lehrgang schon absolviert und im Basisseminar über Palliative Care für die MitarbeiterInnen in der Pflege Informationen über die Grundprinzipien validierender Pflege eingebracht.

Weiterbildung ist möglich.


3.4: Aromapflege, Einsatz von Bachblüten:

Zwei 2-stündige Einschulungen für jeweils 1 oder mehrere MitarbeiterInnen in den verschiedenen Stockwerken (StockwerksvertreterInnen) über die Grundprinzipien der Aromapflege und die Möglichkeiten der Anwendung haben stattgefunden.
Ein 1-tägiges Seminar bei Herrn Erich Keller (Aromatherapeut und Trainer für Aromatologie) wurde von den StockwerksvertreterInnen absolviert. Aromapflege wird in unserem Heim punktuell praktiziert bei psychischen Unruhezuständen mittels Aromastreamer, Wickel und Kompressen, entspannender Bäder (auf Wunsch) und Waschungen. Bei schwerkranken und sterbenden BewohnerInnen wird ein Aromastreamer mit einer eigenen Mischung, die wir „Seelentröster“ nennen, aufgestellt. Das Zimmer eines Verstorbenen wird nach dem Abholen des Leichnams 24 Stunden lang mit dem „Seelenfrieden“ beduftet.


3.5: Palliative Mundpflege:

Für die palliative Mundpflege wurde ein eigener Standard erstellt. Dieser wird bei Bedarf an Mundpflege zur Dokumentation des/der Bewohners/in dazugeheftet.
Entscheidend bei der palliativen Mundpflege und –befeuchtung ist nicht die Lösung, die verwendet wird, sondern die Häufigkeit und Regelmäßigkeit der Durchführung. Der Kreativität des Pflegepersonals sind keine Grenzen gesetzt. Im Vordergrund stehen die Gewohnheiten, Wünsche und Bedürfnisse des/der Bewohners/in und die Aufrechterhaltung seiner Lebensqualität bis zuletzt.

Zu palliativer Mundpflege wurde eine 2-stündige Weiterbildung durchgeführt und der Standard an alle Stockwerke weitergegeben.
Zur besseren Durchführung der Mundpflege wurde ein Pflegekörberl zusammengestellt, welches alle nötigen Utensilien beinhaltet. Und es wurden Eiswürfel aus allen möglichen Getränken und Früchten hergestellt.


3.6: Pflegerische Maßnahmen bei Übelkeit und Erbrechen:

Zu diesem Thema wurde eine Abendweiterbildung durchgeführt. Zusätzlich haben dazu im Team des 1. Stockes viele Gespräche stattgefunden.


3.7: Umgang mit Atemnot:

Atemnot ist für unsere BewohnerInnen sehr quälend und sie benötigen neben der medizinischen Behandlung vor allem auch pflegerische Unterstützung.
Sehr wichtig sind auch Hilfestellungen für die Pflegenden, um die Atemnot eines/r Bewohners/in aushalten zu können, um beim Bewohner bleiben zu können (v.a. beim Todesrasseln).
Dieses Thema wurde ebenfalls in einer Abendweiterbildung behandelt. Aus den Gesprächen mit den KollegInnen ging hervor, dass auch in diesem Bereich oft große emotionale Überbelastung vorhanden ist. Zur gegenseitigen Entlastung wechseln sich MitarbeiterInnen ab. Große Gesprächsbereitschaft im Team ist vorhanden.


3.8: Kinästhetik:

Im Bereich der Kinästhetik wird gerade von mehreren MitarbeiterInnen unseres Heimes eine Weiterbildung besucht.


3.9: Wohlfühlbäder:

Im Rahmen der bewohnerorientierten Dienstplangestaltung wurde 3 x pro Woche ein eigener eigener Badedienst eingerichtet, damit das Bad neben der Körperpflege auch eine Zeit des Verwöhnens wird. Auf Wunsch der BewohnerInnen werden eigens zusammengestellte ätherische Ölbäder verwendet.

  • Wohlfühlbad für die Frau
  • Entspannungsbad für die Frau
  • Wohlfühlbad für den Mann
  • Entspannungsbad für den Mann
  • Erfrischungsbad
  • Bäder mit einzelnen von den BewohnerInnen bevorzugten Lieblingsölen

Die ätherische Mischung wird einer Schale Milch oder einem Esslöffel Honig beigemengt und dann dem Badewasser hinzugefügt.
Nach dem Bad wird der/die BewohnerIn auf Wunsch eingekremt, oft unter Anwendung von basaler Stimulation.



3.10: Biografiearbeit als Voraussetzung:

Bei unseren DauerbewohnerInnen wurde eine Biografie erstellt. Die Biografiearbeit wird in den nächsten Monaten noch ergänzt, weil ich gemeinsam mit einer Kollegin im Rahmen der Ausbildung zur geriatrischen Pflegefachkraft weitere Möglichkeiten der Biografiearbeit in Form einer Weiterbildung vermitteln werde. Geplant ist auch die Erstellung eines Zeitstreifens, nicht nur geschichtlich, sondern auch in Hinblick auf Mode, Essen, Musik, ...


ad 4.: Förderung der Lebensqualität:

In diesem Bereich erfolgte sehr viel Bildungsarbeit über Lebensqualität von Schwerkranken und Sterbenden und ihre Umsetzung durch Kreativität, Flexibilität und individuelle Pflege und Betreuung.

Diese Schulungen können weiter ausgebaut werden.
Jedoch sind uns in diesem Bereich einige Grenzen gesetzt, da die individuelle Umsetzung von Lebensqualität sehr zeitaufwendig ist und die Zeitressourcen leider nur in begrenztem Ausmaß zur Verfügung stehen.


ad 5.: Schmerzbehandlung und Symptomkontrolle in ganzheitlicher Weise:

Durchgeführt wurde:
  • Bildungsarbeit in den Bereichen Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Diarrhoe und Atemnot
  • Vortrag von OA. Dr. Zoidl (an diesem Abend waren auch unsere Hausärzte anwesend)
  • Vortrag von Dr. Eckl (Ganzheitsmediziner)
  • Seminarblock und Bildungsabend
  • Sensibilisierung im Team durch Gespräche und Informationen, Anleitung zur Gesprächsführung mit BewohnerInnen
  • Sensibilisierung der MitarbeiterInnen hinsichtlich der Symptome
  • Praktische Umsetzung in der Pflege, zusätzlich basale Stimulation, Aromapflege, Wohlfühlbäder, Da-Sein, Zuhören, Gespräche, gemeinsam Trauern
  • Genaue Dokumentation der Symptome

All dies kann fortgesetzt werden. Ein weiterer Ausbau der Zusammenarbeit mit den Ärzten wird angestrebt.
Grenzen sind uns jedoch wieder hinsichtlich des Zeitfaktors in der Pflege und Betreuung und hinsichtlich der emotionalen Überbelastung der Pflegenden gesetzt.


ad 6.: Begleitung der Angehörigen:

Umgesetzt wurde:
  • Teilprojekt „Angehörigenarbeit“
  • Bildungsarbeit über Angehörigenbegleitung, Bewusstwerden und Sensibilisierung über die Situation der Angehörigen (Schuldgefühle, Überforderung mit Pflege, schwerer Krankheit, Sterben, Abschiednehmen, Trauer umzugehen), über Kommunikation mit Angehörigen
  • Einstandscafe zur Begrüßung und zum Kennenlernen neuer BewohnerInnen und deren Angehörigen
  • Richtlinien über Sterbebegleitung: rechtzeitige Information, Absprache über weitere Vorgangsweise (z. b. Spitalseinweisung noch sinnvoll?), Einbeziehung der Angehörigen in die Sterbebegleitung (Übernachtung, Verköstigung, begleitende Gespräche), Einbeziehung in Waschen und Aufbahren des Leichnams
  • Verabschiedung von Verstorbenen, Abschiedsritual
  • Trauercafe im Laufe des Trauerjahres
  • Ständige Kontakte mit den Angehörigen
  • „schwierigen“ Angehörigen nicht aus dem Weg gehen, sondern Konflikte direkt ansprechen

Alles oben Genannte kann fortgesetzt werden. In diesem Bereich sind uns jedoch einige Grenzen, wie Zeitmangel, Überbelastung durch die Emotionen der Angehörigen, oft Überforderung der Pflegenden mit der Situation, Kommunikation und Gesprächsführung gesetzt. Da uns Psychotherapeut und Sozialarbeiter fehlen, müssen sich die MitarbeiterInnen in der Pflege auf Schwerpunktsetzung konzentrieren. (Aussagen des Pflegepersonals, welche des öfteren zu hören sind: „Ich kann mich nicht um alle und alles kümmern!“)


ad 7.: Sterbekultur:

Schon vor Beginn des Projektes gab es dazu ca. drei Jahre lang einen eigenen Arbeitskreis. Es wurde in unserem Heim diesbezüglich schon ein hoher Standard erreicht. In der Projektphase wurden „Richtlinien für die Sterbebegleitung im Seniorenheim Schloß Hall“ erstellt, die bis in Einzelheiten alle Maßnahmen vor, während und nach dem Sterben eines Bewohners beinhalten.


7.1: Sterben ist ein natürlicher Vorgang :
Dazu erfolgten Bildungsarbeit, viele Gespräche im Team des 1. Stockes und im gesamten Personal. Praktische Sterbebegleitung und Abschiedsrituale sind darauf abgestimmt („learning by doing“).

Bewusstseinsbildung kann und wird weiterhin fortgesetzt werden.
Emotionale und Zeit-Grenzen der MitarbeiterInnen sind gegeben in besonderen Situationen, z.B. wenn der Sterbeprozess sehr lange dauert, wenn der Sterbende extrem leidet (sozialer, psychischer und spiritueller Schmerz, Abschiednehmen vom Leben, ...), wenn keine Angehörigen für Begleitung da sind, oder wenn Angehörige sehr leiden. Dies gilt für alle Unterpunkte von 7.


7.2: Bewahrung der Menschenwürde vor, während und nach dem Sterben :
Maßnahmen wie 7.1
  • Pietät-, ehrfurchts- und respektvoller Umgang mit dem Sterbenden
  • seinen Wünschen und Bedürfnissen wird bestmöglich entsprochen
  • gute medizinische und pflegerische Versorgung


7.3: Individuelle Wünsche für die Zeit vor, während und nach dem Sterben erheben und auf kreative und flexible Weise ermöglichen :
Viel Aufklärungsarbeit ist erfolgt und ein Dokumentationsblatt wurde entworfen. Prioritätensetzung in der Pflege und Betreuung aus dem palliativen Blickwinkel (Wen möchte der/die Bewohner/in noch sehen? Wie ermöglichen wir ihm/ihr dies? Was möchte er/sie noch machen, er-leben?) und die genaue Dokumentation dieser Maßnahmen.


7.4: Bestmögliche Sterbebegleitung den Wünschen des/der Bewohners/in entsprechend, Einbeziehung und Begleitung der Angehörigen :
Wenn Angehörige anwesend sind, braucht der/die Bewohner/in meist nicht mehr sehr viel an Pflege und Betreuung von uns. Unsere Hauptaufgabe ist dann die Betreuung und Unterstützung der Angehörigen:
Schlafmöglichkeit und Verköstigung, Gesprächsangebote und Entlastung, Einsatz von Aromapflege.


7.5: Respekt- und würdevoller Umgang mit dem Leichnam des/der Verstorbenen:
Waschen, Ankleiden und Aufbahren des Leichnams durch MitarbeiterInnen, nach Möglichkeit Einbeziehung der Angehörigen.
Zielsetzung unseres Heimes: Verstorbenen auf diese Weise die letzte Ehre zu erweisen.


7.6: Abschiedsrituale:
  • Verabschiedung im Zimmer des/der Verstorbenen mit dem Personal, Angehörigen und befreundeten BewohnerInnen.
  • Kerze und Bild im Foyer (als Möglichkeit des stillen Abschiednehmens)
  • Rose bzw. Symbol auf das Bett des Verstorbenen
  • „Seelenfrieden“ - Aromaölmischung
  • betend Abschied nehmen in Form einer Andacht in der Heimkapelle mit den Angehörigen, den HeimbewohnerInnen und Teammitgliedern
  • Gedenkgottesdienst 1x jährlich
  • Gedenkmappe von jedem Stockwerkteam individuell gestaltet

7.7: Trauerbegleitung für die Angehörigen:
  • Tröstende, einfühlsame Gespräche
  • Unterstützung (Bestattung usw.)
  • Verabschiedung im Zimmer
  • betendes Verabschieden in der Kapelle
  • Trauercafe
  • Gedenkgottesdienst


ad 8.: Interdisziplinarität und Teamarbeit:

In diesem Bereich erfolgten viele Gespräche mit den einzelnen Berufsgruppen und Dienstbereichen, wie Heimleitung, Pflegedienstleitung, Ärzte, Seelsorge, Physiotherapie, Küche, Wäscherei, Reinigung, ... um eine gute, sich ergänzende Betreuung zu gewährleisten und auch das Verständnis für unser Handeln zu erlangen. Mitarbeiterschulungen, Vorträge, Seminare für die Pflegenden wurden veranstaltet.
Im Team des 1. Stockes findet täglich eine Dienstbesprechung statt, in welcher über Maßnahmen und Ziele in der Betreuung und Pflege der einzelnen BewohnerInnen gesprochen und beraten wird.
Zu dieser Besprechung könnten einzelne MitarbeiterInnen anderer Dienstbereiche bei Bedarf hinzugezogen werden, was jedoch in unserem Alltag leider noch nicht erreicht wurde.

Dafür gibt es verschiedene Gründe:
  • Vorwiegend Zeitmangel
  • Seelsorger ist nur mit 15 Wochenstunden angestellt
  • Physiotherapeutin ebenfalls nur teilzeitbeschäftigt
  • Kein eigener Heimarzt, Hausärzte kommen nur auf Anforderung oder bei Bedarf auf Visite
  • Psychotherapeut ist nicht vorhanden
  • Sozialarbeiter ebenfalls nicht vorhanden
  • Ehrenamtliche Mitarbeiter sind sehr wenige im Haus (derzeit nur 2 für das gesamte Heim).

Der Aufbau eines ehrenamtlichen Teams ist sehr umfassend und benötigt sehr viele Zeitressourcen für die Ausbildung und auch für die psychische Betreuung und ist in unserem Heim noch nicht verwirklicht worden. (Für die Zukunft angedacht).


ad 9.: Psychohygiene:

Im Bereich der Psychohygiene wurde Supervision für das gesamte Pflegepersonal im Laufe dieses Jahres installiert.
Sehr wichtig ist in diesem Bereich eine große Sensibilität der einzelnen Teammitglieder, um emotionale Überbelastung zu erkennen und darauf mit Gesprächsbereitschaft zu reagieren.
Gerade wenn BewohnerInnen sterbend sind, zu denen wir im Laufe der Jahre eine innige Beziehung aufgebaut haben, geht uns dies oft sehr zu Herzen und es ist hier gegenseitiges Auffangen, sich trösten und beistehen sehr wichtig.
Besondere Unterstützung brauchen neue MitarbeiterInnen, PraktikantInnen, Zivildiener usw.
In den Richtlinien für die Sterbebegleitung ist verankert, dass in besonderen Situationen ein begleitendes Gespräch im geschützten Rahmen Priorität hat, damit der/die Pflegende dann wieder erleichtert in den Arbeitsalltag zurückkehren kann.
Dadurch ist im Pflegepersonal auch das Bewusstsein entstanden, dass unsere eigenen Tränen nichts Schlechtes sind, sondern sehr befreiend sein können.
Es braucht sich niemand für seine Gefühle zu schämen, sondern es ist ein Ausdruck von Stärke, seine Gefühle zu zeigen und seinen Tränen freien Lauf zu lassen.
Ein weiteres Angebot für unsere MitarbeiterInnen ist die Teilnahme am Trauercafe, um den Tod eines/r Bewohners/in besser verarbeiten zu können.
Für die Pflegenden ist es sehr wichtig, sich immer wieder von Verstorbenen zu verabschieden, um dann wieder frei und offen sein zu können und Kraft zu haben für die tägliche Arbeit mit den BewohnerInnen.


ad 10.: Voraussetzungen:


10.1: Bestmögliche Zusammenarbeit mit allen Dienstbereichen


10.2: Bestmögliche Kommunikationsstrukturen und bestmöglicher Informationsfluss im gesamten Heim:

In diesem Bereich wurde 2 x wöchentlich eine Dienstbesprechung mit allen Stockwerken installiert und 1 x im Monat eine Besprechung aller DGKS, zu denen die Verantwortlichen der anderen Dienstbereiche auf Wunsch hinzukommen können.
Kommunikation und Information ist äußerst wichtig und kann noch weiter ausgebaut werden.


10.3: Ständige Weiterbildung der MitarbeiterInnen der verschiedenen Dienstbereiche:

In diesem Bereich ist sehr viel Bildungsarbeit geleistet worden:
  • Laufende Informationen über Palliative Care im Rahmen von Besprechungen in den Projektuntergruppen und Weitergabe in den verschiedenen Dienstbereichen.
  • Regelmäßige Mitarbeiterschulungen, Teambesprechungen und durch „learning by doing“ im 1. Stock/Neubau.
  • MitarbeiterInnen aus anderen Stockwerken haben die Arbeit des Pflegeteams im 1. Stock beobachtet und verschiedene Anregungen auf ihre Stockwerke angepasst verwirklicht.
  • Vortragsabend mit OA. Dr. Zoidl „Schmerz, lass nach“ mit den Hausärzten der Umgebung
  • Vortragsabend mit Dr. Eckl über ganzheitliche Schmerzbehandlung
  • 2-tägige Seminare für die MitarbeiterInnen in der Pflege zu den Bereichen Lebensqualität, ganzheitlicher Schmerz, Interdisziplinarität, Teamarbeit und Angehörigenarbeit

Bildungsarbeit ist einer der wichtigsten Punkte, um Palliative Care in einem Senioren- und Pflegeheim dauerhaft installieren zu können!
Hier sind gute Möglichkeiten vorhanden, wenn vom Träger der Einrichtung die Zeit dafür zur Verfügung gestellt wird.

DGKS Ingrid Lorbek
Diakon Josef Lengauer


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